Formel V (Formel Vau)

in Glossar

Ihren Ursprung hatte die Formel V in den USA. Amitionierte Hobbyrennfahrer schaubten mit der Unterstützung von Volkswagen of America 1963 ihre ersten Monoposti auf Käferbasis mit seriennahen Teilen zusammen. Wirklich schön waren die selbst zusammengebauten Renner zu Anfang nicht. Die Volksrennwagen wirkten wie Plastik-Badewannen auf Rädern, auf schmalen Käferreifen stehend und mit offefen, viel zu dünn wirkenden Aufhängungen. Nach seinem ersten Kontakt mit der Formel V in Daytona und dem in den USA besteheden Hype um die neuen Wagen, brachte Porsche-Rennleiter Huschke von Hanstein Ende 1964/Anfang 1965 (da sind sich die Quellen nicht einig) die ersten zehn Formel-V-Wagen aus den USA über den großen Teich nach Deutschland und präsentierte sie am 16. Mai 1965 im Rahmen des Bergrennens in Eberbach dem Publikum, nachdem sie zuvor im Porschewerk der Presse vorgestellt worden waren. Porsche-Werksfahrer Gerhard Mitter hatte die Aufgabe als erster einen Wagen dieser Art in einem Rennen in Europa zu fahren. "Grauenvoll", klagte Mitter, "eine Straßenlage wie eine Kuh."*

Die ersten Autos kamen als Bausätze nach Deutschland und wurden von Porsche-Monteuren zusammengebaut. Angetrieben wurden sie zunächst von dem 1,2-Liter-Motor des VW Käfer, der bis maximal 45 PS leistete und für eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 150 bis 160 km/h reichte. Von Hansteins erstes Expemplar hatte wie der serienmäßige Käfer nur 34 PS. Nachdem 1966 die Formel V Europa gegründet war, wurden die immer noch seriennahen 1300er VW-Motoren erlaubt, die bis zu 60 PS ermöglichten. Die Renneserie wurde Kult unter den Motorsportfans, ermöglichte sie doch mit einem rennfertigen Fahrzeug zwischen 8.000 und 10.000 Mark den Einsteig in den Rennsport. Fuchs, Kaimann, Apal, Zarp, Austro V, oder Mahag Olympic, um nur einige zu nennen, stellten Formel V-Rennwagen quasi in Serie her. Inzwischen hatte sich auch das Bild der Wagen geändert: von der Badewanne mauserten sich die Fahrzeuge zu echten Rennwgen. Eine Änderung des Reglements, die vor allem die Art der Nockenwelle freistellte, ermöglichte ab 1969 eine Leistung von 75 PS.

Formel Super V

1971 wurde in Europa die Formel Super V mit den luftgekühlten 4-Zylinder-Boxer-Motoren des VW Typ 4 (411/412) mit 1600 cm³ eingeführt. Die Leistung dieser Triebwerke, für die zwei Solex-Doppelvergaser zugelassen waren, ließ sich auf bis zu ca. 110 kW (150 PS) steigern, was die Aggregate allerdings äußerst störanfällig machte. Ab dem 1. Januar 1978 schrieb das Reglement den wassergekühlten 1,6-Liter-Reihenmotor aus den Baureihen Passat/Golf/Scirocco vor, der serienmäßig bis zu 81 kW (110 PS) leistete. Im Rennwagen kitzelten einige bis zu 132 kW (180 PS) aus dem Motor heraus, die mit längster Übersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 250 km/h brachten. Das Mindestgewicht der Autos betrug 400 kg ohne Treibstoff und ohne Fahrer.

Auffälligste äußerlich erkennbare Unterschiede zur Formel V waren die Radaufhängungen, die aus Dreieckslenkern oben und unten bestanden, statt der vorderen Kurbellenkerachse des VW Käfer sowie der hintere Flügel, der auf dem abgefederten Teil des Autos und nicht etwa an den Radaufhängungen montiert sein musste. Als maximale Höhe des Flügels waren 800 mm und als maximale Breite 950 mm vorgeschrieben. Keke Rosberg umrundete 1973 als Erster in einem Formel-Super-Vau-Renner die Nordschleife in weniger als neun Minuten mit einem Schnitt von 153,3 km/h.

Die fortschreitende Professionalisierung der Formel Super Vau hatte ihren Preis. 1981 kostete ein Super Vau dreimal so viel wie 1971. Als Nachwuchsserie konnte die Formel V nicht mehr gelten. Ende 1982 stellte Volkswagen die Formel Super Vau ein.

Die Formel V gilt mit weltweit mehr als 4.500 gebauten Exemplaren als die bis dato (und wohl bis heute) erfolgreichste Nachwuchs-Rennserie. Niki Lauda, Jochen Mass, Harald Ertl,  Keke Rosberg, Emerson Fittipaldi, Nelson Piquet und viele andere verdienten sich in der Formel V und Formel Super V ihre ersten Meriten.

Jochen Mass im Formel Super V Kaimann von 1971

Quellen:
Volkswagen Motorsport;
*www.sueddeutsche.de, 11. Mai 2010;
Wikipedia
Foto: CC BY-SA 2.0 de, Lothar Spurzem, Olympic Formel V mit Hannelore Werner 1969 auf dem Nürburgring, Volkswagen Motorsport